Rainers Kulturecke
Kulturmagnat







Spieltag 8





Liga – Lyrik
von O – P


[ O wie Andreas Okopenko ]


Kinderreim

Alte Leute muß man treten,
weil sie sonst für einen beten.




[ P wie Reinhard Priessnitz ]


Lage ?
Nebel !
Leben ?
Egal !








Spieltag 7









Berliner Lokalteil








Nachgelassener Zettel an den
Logiskameraden



Du schliefst so schön, drum zog ick Leine
Und hab´dir nich erst aufjeweckt.
Die fuffzehn Mark im Kasten war´n wohl deine ?
Ick hab sie vorsichtshalber eingesteckt.

Such, wennde aufstehst nicht erst deine Hose,
Ick war erstaunt, wie die mir passt.
Und denk an meine Zwangspsychose,
Wennde auch kein Jackett mehr hast.

Det ick nach Köln will, war jelogen.
Ick mach nach Dings. Doch sei darüber still.
Der Adressat ist unbekannt vazogen,
Falls de Behörde etwas von mir will.

Leb wohl, ick hab sehr jut jenächtigt,
Doch hierzubleiben hätte keinen Sinn,
Ick will nich, daß man mich vadächtigt,
Solange ich noch jreifbar bin.


Werner Finck



...kurz vor Redaktionsschluß
erreichte uns noch folgende


Beschwerde



Was
hat der
mir zu sagen denn ?
Weil der seine Arbeit
für so wichtig nimmt ?

Andauernd mit sein
Spazierstock
Papier uffpieken,
Leute anmeckern,
Parkwächter rauskehrn,
wie wenn alle Bäume
bei ihm jelernt hätten
inne Höhe zu wachsen.

Soll bloß mal uffpassen,
wer da morjen nacht
hinterm Baum steht
und Schön juten Abend
zu ihm sagt.


Günter Bruno Fuchs


Musik : Ausschnitt aus Zu Asche zu Staub
Babylon Berlin









Spieltag 6



27. 9. Welttourismustag




„Hier stimmt endlich auch mal das
Preis-Leistungs Verhältnis !“




Der Wanderer


Viel hätte nicht gefehlt,
er hätte aufgeschrien.
Da lag das Meer vor ihm
auf das die Sonne schien.
Und fliegende Fische !

So lange unterwegs,
daß er zu träumen meint.
Da liegt das Meer vor ihm,
und eine Sonne scheint
auf fliegende Fische.

Zu schön, um wahr zu sein,
er hat rasch kehrtgemacht.
Als er dann innehielt,
war Berg um ihn und Nacht.
Und heulende Hunde.


Robert Gernhardt



Illustration : Hans Traxler








Spieltag 5




Septembersee



Du hast also schon vor Beeren gekniet ?
Ja, ich hab schon vor Beeren gekniet.
Erkläre dich deutlicher !

Denk dir einen Waldsee, denk dem
See ein steiles Ufer, denk dir
dieses Ufer dicht bewachsen.
Denk ihm Binse, Minze, Weide,
denk das alles schön gespiegelt -
hast du´s ?
Ja.

Denk die Mittagssonne. Denk das
Wasser leicht gekräuselt. Denk den
milden Wind. Denk der Libellen
stetes Unstetsein. Denk dazu
hoch den schrillen Schrei des Bussards -
hörst du´s ?
Ja.

Denk dir einen Schwimmer. Laß ihn
mit dem Licht durchs Wasser gleiten.
Denk wie er sich denkt : Was hängt da
derart dunkel, derart glitzernd,
derart lockend in die Fluten -
siehst du´s ?
Nein.

Denk dir eine Brombeerhecke.
Denk sie zwischen Schilf und Weide.
Denk sie hart im Licht des Mittags.
Denk sie derart voll von Beeren,
daß sie bis ans Wasser rühren -
siehst du´s jetzt ?
Ja.

Denk den Schwimmer. Denk die Beeren.
Denk ihr Locken. Denk sein Nähern.
Denk sein Knie. Denk wie´s auf Grund stößt.
Denk sein Knien. Denk sein Schwelgen.
Spürst du´s ?
Ja ?

So also hast du von Beeren gekniet ?
Ja, so hab ich vor Beeren gekniet.
Das erklärt natürlich einiges.


Robert Gernhardt







Spieltag 4








Arbeitsagentur Aktuell


Krisensichere Berufe – zu Unrecht geschmäht
Teil 1


„ Soso ! Nr. 3 fehlt wegen Muskelkater !
Zum dritten Mal in dieser Woche !
Der Herr scheint sich ja sehr sicher zu fühlen ! “


...und in der nächsten Ausgabe :
Teil 2
Verfassungsschutzpräsident

Graphik : Hans Traxler - Muskelkater
Audio : The Rowing of the Galley Slaves – Ben Hur








Spieltag 3




Einkaufsblues


Neulich Abend ist´s gewesen,
Hier ums Eck, bei Edeka,
Als ich hinterm Aufschnitt-Tresen
Dich, du Holde, stehen sah.

Weihnachtsengelblonde Locken,
Bernsteinaugen, Erdbeermund -
Himmel, war ich von den Socken,
Dachte : Donnerwetter ! und :

Wird das Schicksal uns vereinen ?
Enden meine Seelenpein ?
Süßer Blick ! Er traf den meinen
Und du sprachst : „ Was darf´s denn sein ? “

Wardst du meiner Liebe inne ?
Ach, du lächeltest kokett !
Beinah schwanden mit die Sinne,
Doch ich sagte : „ Zwiebelmett,

Hundert Gramm, und eine Schnitte
Leberkäs.“ Das gabst du mir.
Und du sprachst : „ Der Nächste bitte.“
Wortlos wankte ich zur Tür.

Später stand ich auf der Straße,
Regen wehte in mein Ohr,
Und mir kam in hohem Maße
Dieses Leben sinnlos vor.

Nächste Woche werd´ich´s wagen;
Fragst du dann : „ Was darf es sein ?“
Werd´ich laut und deutlich sagen:
„ Du, Geliebte, du allein !“

Christian Maintz
aus
„ Liebe in Lokalen “








Spieltag 2



Journée du championnat deux










Neues von der
Deutsch-Französischen
Freundschaft




https://www.youtube.com/watch?v=6lmemv-FIig








Spieltag 1






Liebe Freunde und Freundinnen des gepflegten Rasensports,
es laufen die letzten Trainingseinheiten vor Beginn
der neuen Bundesligasaison.

Ich hoffe die WM ist verdaut, die Lehren sind gezogen;
Trikots frisch gewaschen , Fußballschuhe geputzt!

Dann bleibt nur noch,
die Neuzugänge aus Köln und Berlin zu begrüßen,
allen eine schöne Spielzeit zu wünschen
und natürlich

die.....

Letzte Ansprache des Trainers

Leute! Heute! Alle Mann! Raus! Und jeder! Los!
Alle! Einer! Was er kann!
Mannschaft!
Schangse!
Groß!

Männer! Jeder! Hinten! Und! links! Und rechts!
Und ab! Und alles! Volles Pfund!
Vollgas! Keiner
schlapp!

Noch mal! Männer! Heute! Ja! Gegner auf dem Schuh!
Augen offen! Hier und da! Brust raus!
Räume
zu!

Leute! Noch mal! Alle! Ihr! Nur zusammen Star!
Männer! Mannschaft! Heute wir!
Jeder! Immer!
Klar!


Und außerdem dürfen wir natürlich nie vergessen
dass wir hinten kompakt stehen müssen, wenn
wir im Mittelfeld die Räume haben wollen,
um die Pässe so in die Tiefe zu spielen,
dass unsere Spitzen nicht in der
Luft hängen. Und jetzt
raus! Männer!
Und dann
alles!



Fritz Eckenga