Rainers Kulturecke
Kulturmagnat








Spieltag 34





Verloren



Ein Pfiff – und Schluß. Das Spiel der Spiele:
Vergeigt. Zu Boden sinken Spieler.
Er schweigt. Zu mutlos spielten viele,
zu zag. Und doch, nach Ansicht vieler

hat er schuld, der, den Blick in Leere,
am Rand steht: Er, der Fußballehrer.
Ihn drückt das unermeßlich schwere
Gewicht des Daseins nun noch schwerer.

Ergraut: Die jüngst noch blonde Locke.
Erstarrt: Die Haltung, die einst locker.
Bald opfert man, von Hut bis Socke,
ihn am Altar des Götzen Soccer.

Wer gestern gliß in goldner Helle,
zählt heute keinen roten Heller,
trinkt Bitterkeit aus rostger Kelle,
gefangen im Tabellenkeller.

Im Anstoßkreis – welch eine Szene:
Der Neuner weint im Arm vom Zehner.
Ihm gilt kein Trost und keine Träne,
nur Schimpf und Zorn: Dem Abstiegstrainer.


Klaus Cäsar Zehrer






Freundinnen und Freunde des Rasensports,
es ist soweit, die Saison steht vor dem Abschluß.

Allen Gewinnern und Überraschungsmannschaften
an dieser Stelle, unseren Herzlichen Glückwunsch !

Und die Verlierer ??
Aufstehen, Trikot waschen,
und ab ins Sommertrainingslager.

Spaß hat es gemacht – wieder einmal -

Kommt gut durch die fußballlose Zeit !
Wir sehen uns im August !!

Die Red.




Musik:
Das Kölner Schauspielensemble
Ich bin ja so allein !








Spieltag 33






2017 - Quo Vadis SPD ?



100 Jahre
Marienerscheinung in Fatima




...oder doch nur...



105 Jahre Untergang der Titanic





Hintergrundmusik aus dem Film Quo Vadis









Spieltag 32










...Bababa baba Bababa baba Bababa baba Bababa baba ...




„Solche Töne der Demokratie
habe ich bisher vermisst.“























...Demokratie



hat viele Gesichter
mal ist sie schlichter...


„Ob es einem schmeckt oder nicht“




















...Das ist Demokratie
langweilig wird sie nie...


„Ich erkläre es gleich für die,
die das Grundgesetz nicht unter der Achsel haben“





...Alle vier Jahre wird wieder gewählt
wird wieder jeder von jedem gequält...





„Seien wir froh darüber“


...Lalalalalalala lalalalalalalalalalalalala...




Textzeilen und Zitate aus dem Lied:

Demokratie
von
Andreas Dorau und der Bruderschaft der kleinen Sorgen









Spieltag 31




Neulich im Strafraum







Ballhalten

Liebe Mutter – ein langer Paß,
direkt auf mich – wie findest Du das?
Mutter, ach Mutter, gleich greift er mich an!
Der Verteidiger ist´s, was hab ich getan?
Ich halte den Ball – wer steht mir bei?
Ich halte den Ball und keiner steht frei!
Der Raum wird eng – doch ich bleib am Ball;
am Ball bin ich phänomenal.
Ich bleibe weiter im Ballbesitz.
Wie lange noch? Viele Grüße – Dein Fritz.

P.S.
Liebe Mutter, ach wärst Du doch hier.
Ich stehe im Strafraum – ich gegen vier!
Ich fürchte mich so vor dem Ballverlust.
Doch diesmal sage ich mir: Du mußt!
Ich trenne mich ungern vom Ball – ich muß!
Gleich schieß ich aufs Tor – mit herzlichem Gruß.

P.P.S.
Der Schiedsrichter pfeift, der Schuß ging daneben.
Das nächste Mal werde ich gleich abgeben.

F.W. Bernstein


[Illustr. : Rudi Hurzlmeier ]








Spieltag 30




Nach den Referendum
ist vor dem Referendum





Illustration: Franquin – Schwarze Gedanken



„Die Guillotine ist eine Maschine,
die den Kopf im Handumdrehen entfernt
und das Opfer nichts anderes spüren läßt
als ein Gefühl erfrischender Kühle.“


Joseph-Ignace Guillotin

Französischer Arzt und Politiker;
Erfinder der Hinrichtungsmaschine Guillotine
* 1738, † 1814









Spieltag 29




18. März – 28. Mai 1871




72 Tage Pariser Kommune



Resolution der Kommunarden

In Erwägung unsrer Schwäche machtet
Ihr Gesetze, die uns knechten soll'n.
Die Gesetze seien künftig nicht beachtet
In Erwägung, daß wir nicht mehr Knecht sein woll'n.

In Erwägung, daß ihr uns dann eben
Mit Gewehren und Kanonen droht
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als den Tod.

In Erwägung, daß wir hungrig bleiben
Wenn wir dulden, daß ihr uns bestehlt
Wollen wir mal feststelln, daß nur Fensterscheiben
Uns vom guten Brote trennen, das uns fehlt.

In Erwägung, daß ihr uns dann eben
Mit Gewehren und Kanonen droht
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als den Tod.

In Erwägung, daß da Häuser stehen
Während ihr uns ohne Bleibe laßt
Haben wir beschlossen, jetzt dort einzuziehen
Weil es uns in unsern Löchern nicht mehr paßt.

In Erwägung, daß ihr uns dann eben
Mit Gewehren und Kanonen droht
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als den Tod.

In Erwägung, daß wir der Regierung
Was sie immer auch verspricht, nicht traun
Haben wir beschlossen, unter eigner Führung
Uns nunmehr ein gutes Leben aufzubaun.

In Erwägung: ihr hört auf Kanonen -
Andre Sprache könnt ihr nicht verstehn -
Müssen wir dann eben, ja, das wird sich lohnen
Die Kanonen auf euch drehn!

Text : Bertolt Brecht
Musik : Hanns Eisler








Spieltag 28




Zum 100. Todestag von
Ludwig Zamenhof,
dem Begründer der Sprache
Esperanto


La Lupfantomo


Jen lupfantom’ de l’ famili’
meznokte iam kuris for
al tombo de la profesor’
kaj petis pri konjugaci’

Do diktis tiu dokta ul’
starante sur la kructabul’
dum lup’ senmova kiel splinto
atentis vortojn de l’ mortinto

De “lupfantomo”, simpla, rekta,
tra “lupfintomo”, plej perfekta,
plu “lupfontomo”, iom rara,
ĝis “lupfuntomo”, ho, koŝmara!

Ĉi participoj plaĉis multe
al la fantomo, kaj rezulte
ĝi petis: “Legu plu el PIV-o
pri participoj en pasivo.”

La viro ĉagreniĝis tamen:
“Jam fermis mi per fin’ kaj amen,
ĉar netransiraj bestoj feblas
kaj la pasiv’ neniel eblas.”

Sed lupfantomo pri transiro
ja spertas pli ol eĉ vampiro.
La lup’ revenis larmokula
al sia famili’ ulula.

Der Werwolf [La Lupfantomo]
estas fama poemo de Christian Morgenstern.


Der Werwolf


Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind, und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: “Bitte, beuge mich!”

Der Dorfschulmeister stieg hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten.

“Der Werwolf” - sprach der gute Mann,
“des Weswolfs, Genitiv sodann,
dem Wemwolf, Dativ, wie man’s nennt,
den Wenwolf, - damit hat’s ein End!”

Dem Werwolf schmeichelten die Fälle
er rollte seine Augenbälle.
“Indessen”, bat er, “füge doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!”

Der Dorfschulmeister aber mußte
gestehn, daß er von ihr nichts wusste.
Zwar Wölfe gäb’s in grosser Schar,
doch “Wer” gäb’s nur im Singular.

Der Wolf erhob sich tränenblind -
er hatte ja doch Weib und Kind!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.

---


Buchtipp der Redaktion

Wenn ihr die Geschichte von Neutral-Moresnet
im Vierländereck nachlesen wollt....und wie dort fast der
erste Esperantostaat der Welt entstand, so sei euch
folgendes Büchlein wärmstens empfohlen:

David van Reybrouck – Zink
Edition Suhrkamp 86 S. 10,00 Euro




[Musik : Freundeskreis – Esperanto]







Spieltag 27




Erziehung


Der Vater zu dem Sohne spricht:
Zum Herz- und Seelengleichgewicht,
zur inneren Zufriedenheit
und äußeren Behaglichkeit
und zur geregelten Verdauung
bedarf es einer Weltanschauung.

Mein Sohn, du bist nun alt genug.
Das Leben macht den Menschen klug,
die Klugheit macht den Menschen reich,
der Reichtum macht uns Herrschern gleich,
und herrschen juckt uns in den Knöcheln
vom Kindesbein bis zum Verröcheln.

Und sprichst du: Vater, es ist schwer.
Wo nehm ich Geld und Reichtum her?
So merk: Sei deines Nächsten Gast!
Pump von ihm, was du nötig hast.
Sei's selbst sein letzter Kerzenstumpen –
besinn dich nicht, auch den zu pumpen.

Vom Pumpen lebt die ganze Welt.
Glück ist und Ruhm auf Pump gestellt.
Der Reiche pumpt den Armen aus,
vom Armen pumpt auch noch die Laus,
und drängst du dich nicht früh zur Krippe,
das Fell zieht man dir vom Gerippe.

Drum pump, mein Sohn, und pumpe dreist!
Pump anderer Ehr, pump anderer Geist.
Was andere schufen, nenne dein!
Was andere haben, steck dir ein!
Greif zu, greif zu! Gott wird's dir lohnen.
Hoch wirst du ob der Menschheit thronen!


Erich Mühsam






Spieltag 26





Perlen deutscher Textkunst


Was trägt der Schotte unter´m Röckchen ?
Klimbim - Klimbim
Was sagt das Zicklein zu dem Böckchen ?
Klimbim - Klimbim
Was macht die Liebe der Matrosen ?
Klimbim - Klimbim
Was ging schon öfters in die Hosen ?
Klimbim - Klimbim

Klimbim ist unser Leben
Klimbim hat Montags zu
Klimbim schmeckt nach Vanille
und spielt gern Blinde Kuh

Klimbim ist unser Leben
und ist es mal nicht da
dann mach´ich mir ´nen Schlitzs ins Kleid
und find es wunderbar !

Was woll´n die Damen bei den Herr´n sehen ?
Klimbim - Klimbim
was macht die Leute scharf auf´s Fernsehen ?
Klimbim - Klimbim
..und so ein kleines bisschen Sex ist
Klimbim - gar nicht schlimm
..denn was die Biene mit der Hummel macht
ist auch Klimbim

Klimbim ist unser Leben
Klimbim hat Montags zu
Klimbim schmeckt nach Vanille
und spielt gern Blinde Kuh

Klimbim ist unser Leben
und ist es mal nicht da
dann mach´ich mir ´nen Schlitzs ins Kleid
und find es wunderbar !


Klimbim – Klimbim – Klimbim - Klimbim

Die Kulturredaktion gratuliert
Ingrid Steeger zum 70.



Zugabe :



https://www.youtube.com/embed/5oVjfRlQpyk









Spieltag 25






Frühling ist's!


Frühling ist's! Die Hennen glucksen.
Veilchen raus - und weiße Buxen.
Frauen schnüren sich geringer,
und der Bauer schiebt den Dünger.

Fliegen klettern unverdrossen
auf den Nasensommersprossen.
Ringsum blüht's an allen Hecken -
und es riecht aus den Ap'theken.

Ich steck mir voll Übermut
'nen Sonnenstrahl an meinen Hut.
Freudig jubeln und frohlocken
Kirchen-, Kuh- und Käseglocken.

Frühling wird's mit Vehemenz.
Auf grünen Filzpantoffeln naht der Lenz!

[Fred Endrikat 1890-1942]





Der Frühling

Was rauschet, was rieselt, was rinnet so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!"

Was knospet, was keimet, was duftet so lind?
Was grünet so fröhlich, was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!"

Was klinget, was klaget, flötet so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
"Der Frühling, der Frühling!" Da wusst ich genug!

[Heinrich Seidel 1842-1906]

**

Karikatur: G. Haderer
Musik: Comedian Harmonists








Spieltag 24



[ Foto: Der Kragenbär: F.K. Waechter]




Ein Platz für Tiere


Zum 30. Todestag von Bernhard Grzimek
hier nocheinmal das Lieblingstiergedicht
der Redaktion



Das Krokodil


Im heil'gen Teich zu Singapur,
Da liegt ein altes Krokodil
Von äußerst grämlicher Natur
Und kaut an einem Lotosstiel.

Es ist ganz alt und völlig blind,
Und wenn es einmal friert des Nachts,
So weint es wie ein kleines Kind,
Doch wenn ein schöner Tag ist, lacht's.

Hermann von Lingg




Am späten Donnerstagabend errichte uns
noch folgender Beitrag des WDR, mit der Bitte
um Veröffentlichung. Dem kommen wir gerne nach!
[Die Red.]

Ein Platz für Tempel

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-ruhr/video-tempel-zu-verschenken-100.html







Spieltag 23



Meister der komischen Kunst

Rudi Hurzlmeier








Spieltag 22





...and the Oscar goes to






  Lügenmärchen  

Ich will euch erzählen und will auch nicht lügen:
ich sah zwei gebratene Ochsen fliegen,
sie flogen gar ferne -
sie hatten den Rücken gen Himmel gekehrt,
die Füße wohl gegen die Sterne.

Ein Amboss und ein Mühlstein
die schwammen bei Köln wohl über den Rhein,
sie schwammen gar leise -
ein Frosch verschlang alle beid’
zu Pfingsten wohl auf dem Eise.

Es wollten vier einen Hasen fangen,
sie kamen auf Stelzen und Krücken gegangen,
der erste konnte nicht sehen,
der zweite war stumm, der dritte war taub,
der vierte konnte nicht gehen.

Nun denke sich einer, wie dieses geschah:
Als nun der Blinde den Hasen sah
auf grüner Wiese grasen,
da rief’s der Stumme dem Tauben zu,
und der Lahme erhaschte den Hasen.

Es fuhr ein Schiff auf trockenem Land
es hatte die Segel gen Wind gespannt
und segelt’ im vollen Laufen -
da stieß es an einen hohen Berg,
da tät das Schiff ersaufen.

In Straßburg stand ein hoher Turm,
der trotzete Regen, Wind und Sturm
und stand fest über die Maßen,
den hat der Kuhhirt mit einem Horn
eines Morgens umgeblasen.

Ein altes Weib auf dem Rücken lag,
sein Maul wohl hundert Klaftern weit auftat,
’s ist wahr und nicht erlogen,
drin hat der Storch fünfhundert Jahr
seine Jungen groß gezogen.

So will ich hiermit mein Liedlein beschließen,
und sollt’s auch die werte Gesellschaft verdrießen,
will trinken und nicht mehr lügen:
bei mir zu Land sind die Mücken so groß,
als hier die größesten Ziegen.

Ernst Moritz Arndt
[ 1769 – 1860 ]


  Musik: Ryan Gosling feat. Emma Stone - city of stars  
  aus dem Film La La Land  







Spieltag 21






„Nicht mit Brandsätzen und Brandanschlägen
beginnt der Hass gegen Minderheiten
zu keimen, sondern mit diskriminierenden
Gerede, dem nicht der energische
Widerspruch entgegengesetzt wird.“

[ Rita Süßmuth * 17.2. 1937 ]




Schlag sie Tod

Wenn dich kleine Kinder stören –
Schlag sie tot!
Auch wenn sie dir selbst gehören –
Schlag sie tot!
Triffst du einen Judenbengel
Spiele seinen Todesengel –
Schlag ihn einfach mausetot!

Siehst du eine Negerfratze –
Schlag sie tot!
Stört dich deines Nachbarn Glatze –
Schlag ihn tot!
Du musst dich für gar nichts schämen
Musst dir nichts zu Herzen nehmen –
Schlag sie einfach mausetot!

Türken, Kurden, Libanesen
Und auch Weiße –
Unbrauchbare Lebewesen
Sind halt Scheiße
Kommunisten, Anarchisten und so weiter –
Mach dir nicht das Leben schwer
Rechtsanwälte, Angestellte, Friedenstauben –
Alle, die noch immer an das Gute glauben
In den Müll, in den Dreck!
Putz sie einfach weg!

Hat ein Bürger Beinprothesen –
Schlag ihn tot!
Will ein Bürger Bücher lesen –
Schlag ihn tot!
Arbeitsscheue oder Streuner –
Und vergiss nicht die Zigeuner! –
Schlag sie einfach mausetot!

Komm mir nicht mit Demokraten –
Köpf sie, kill sie!
Das sind Todeskandidaten –
Niemand will sie!
Vater, Mutter, Schwestern, Brüder, alte Freunde
Brauchst du die für irgendwas?
Pfarrer, Lehrer, Besserwisser –
Strangulier sie!
All die blöden Tintenpisser –
Massakrier sie!
Merk dir eins: Du bist stark!
Aller Rest ist Quark!

Lass uns wieder Kriege führen –
Schlag sie tot!
Ganze Völker dezimieren –
Schlag sie tot!
Erst wenn sie im Grab verschwinden
Wirst du dran Gefallen finden –
Also schlag sie mausetot!

Mausetot –
Frisst kein Brot
Pack sie und schlag sie tot!

Text und Musik: Georg Kreisler
Gesang: Barbara Peters







Spieltag 20



Liga – Lyrik
von A – Z

[ L wie Alfred Lichtenstein ]




Die Dämmerung



Ein dicker Junge spielt mit einem Teich.
Der Wind hat sich in einem Baum gefangen.
Der Himmel sieht verbummelt aus und bleich,
Als wär ihm die Schminke ausgegangen.


Auf lange Krücken schief herabgedrückt
Und schwatzend kriechen auf dem Feld zwei Lahme.
Ein blonder Dichter wird vielleicht verrückt.
Ein Pferdchen stolpert über eine Dame.


An einem Fenster klebt ein fetter Mann.
Ein Jüngling will ein weiches Weib besuchen.
Ein grauer Clown zieht sich die Stiefel an.
Ein Kinderwagen schreit und Hunde fluchen.





Der Sturm



Im Windbrand steht die Welt. Die Städte knistern.
Halloh, der Sturm, der große Sturm ist da.
Ein kleines Mädchen fliegt von den Geschwistern.
Ein junges Auto flieht nach Ithaka.

Ein Weg hat seine Richtung ganz verloren.
Die Sterne sind dem Himmel ausgekratzt.
Ein Irrenhäusler wird zu früh geboren.
In San Franzisko ist der Mond geplatzt.



Alfred Lichtenstein
[1889 – 1914 ]







Spieltag 19





Zum 15.Todestag von

Astrid Anna Emilia Lindgren



„Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich
hin zu schauen“



[A.A.E. Lindgren]






Spieltag 18




Wenn der Wind der Veränderung weht
bauen die einen Mauern,
die anderen Windmühlen !



„Ich werde eine große Mauer bauen -
und niemand baut Mauern besser
als ich. Glauben sie mir.
Und ich baue sie sehr kostengünstig.
Ich werde eine große, große Mauer
an unserer südlichen Grenze bauen
und ich werde Mexiko für diese
Mauer zahlen lassen.“





Kleine Fabel


„Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger
mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit,
daß ich Angst hatte!

Ich lief weiter und war glücklich, daß ich
endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah,
aber diese langen Mauern eilen so schnell
aufeinander zu, daß ich schon im letzten Zimmer bin,
und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“

„Du mußt nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.

Franz Kafka






Spieltag 17




„ Mach´s gut Kröti ! “




Zum Tod von Franz Jarnach, alias Mr. Piggi,
alias Schildkröte




Die Schildkrökröte


" Ich bin nun tausend Jahre alt
und werde täglich älter ;
der Gotenkönig Theobald
erzog mich im Behälter .

Seitdem ist mancherlei geschehn,
doch weiß ich nichts davon ;
zur Zeit, da läßt für Geld mich sehn
ein Kaufmann zu Heilbronn .

Ich kenne nicht des Todes Bild
und nicht des Sterbens Nöte :
Ich bin die Schild - ich bin die Schild -
ich bin die Schild - krö – kröte . "

Christian Morgenstern


Das Jahr 2017 hat kaum begonnen und die Kulturredaktion
muß die Rückrunde schon mit einem Nachruf beginnen.
Ich hätte Franz Jarnach die tausend Jahre gewünscht.


Ich hoffe ihr kommt entspannt aus der Winterpause
und seid gerüstet für die 2. Saisonhälfte. Gerüchte,
wonach die Tipprunde ab 2026 verplichtet wird,
auch die Ergebnisse der 2. und 3. Liga zu tippen,
können wir zur Zeit nicht bestätigen.
Wir bleiben dran!

Auf eine spannende Rückrunde !!



Zu guter Letzt :

Die für den heutigen Spieltag angekündigte Dokumentation
über das Schicksal von „Kot und Köter„ ,wird zu
einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.
Bitte beachten Sie entsprechende Hinweise in Ihrer Programmzeitschrift.
[Die Red.]






Spieltag 16




...und wieder sind 2016 ein paar ganz Große gegangen...

...Achim Mentzel, David Bowie, Roger Willemsen,
Peter Lustig, Prince, Muhammad Ali,
Götz George, Tamme Hanken, Manfred Krug,
Oleg Popow, Leonhard Cohen, Fidel Castro,
Ralf Siegel, Peter Hintze...

Die Kulturredaktion sagt:
„Tschüss und macht et joot !!“



Leaving the table

I'm leaving the table
I'm out of the game
I don't know the people
In your picture frame
If I ever loved you or no, no
It's a crying shame if I ever loved you
If I knew your name

You don't need a lawyer
I'm not making a claim
You don't need to surrender
I'm not taking aim
I don't need a lover, no, no
The wretched beast is tame
I don't need a lover
So blow out the flame

There's nobody missing
There is no reward
Little by little
We're cutting the cord
We're spending the treasure, oh, no, no
That love cannot afford
I know you can feel it
The sweetness restored

I don't need a reason
For what I became
I've got these excuses
They're tired and lame
I don't need a pardon, no, no, no, no, no
There's no one left to blame
I'm leaving the table
I'm out of the game

I'm leaving the table
I'm out of the game

Text und Musik
Leonhard Cohen




Denkt Euch


Denkt euch, ich habe den Tod gesehn,
es ging ihm gar nicht gut.
Seine Hände wirkten so seltsam bleich,
so gar nicht wie Fleisch und Blut.

Und auf dem dürren Hals saß gar
ein Kopf, der ganz aus Knochen war.
Aus Knochen, ganz aus Knochen, denkt !
Da hab ich ihm fünf Mark geschenkt.

Robert Gernhardt




Die Kulturredaktion wünscht euch eine
erholsame Winterpause, entspannte Feiertage,
verletzungsfreie Hallenturniere und
vergnügliche Stunden vor der
Taktiktafel !





Spieltag 15



Husch, husch jetzt aber nochmal schnell die letzten Lieblings – Gernhardt vor der
Winterpause
rausgehauen....



Deutung eines allegorischen Gemäldes


Fünf Männer seh ich
inhaltsschwer -
wer sind die fünf?
Wofür steht wer?

Des ersten Wams strahlt
blutigrot -
das ist der Tod
das ist der Tod.

Der zweite hält die
Geißel fest -
das ist die Pest
das ist die Pest.

Der dritte sitzt in
grauem Kleid -
das ist das Leid
das ist das Leid.

Des vierten Schild trieft
giftignaß -
das ist der Haß
das ist der Haß.

Der fünfte bringt stumm
Wein herein -
das wird der
Weinreinbringer sein.

Robert Gernhardt




Und endlich trat


Und endlich trat das Glück herein,
sehr still, auf sieben Zehen.
Im frühen Morgensonnenschein
konnt ich es humpeln sehen.

„Was ist mit deinen Zehen, sprich!“
„Darüber spräch ich lieber nicht.
Drei hat mir eine Tram gekappt-“
„Kann man nichts machen. Pech gehabt.“

Robert Gernhardt








Spieltag 14



Was ich heute sah


Drei kleine Frösche sah ich heut,
die warn mit dem Teufel im Bunde.
Die hüpften über die Mauer breit
und schrien aus einem Munde:

„Wir sind die Frösche der Dunkelnis,
äh, der Finsternis, äh, des Lichts.
Das heißt doch Licht, wenn kein Tag mehr ist,
alles schwarz und niemand hört nichts?“

So haben die teuflischen Frösche gefragt,
sie waren sehr schrill und sehr klein,
Ich habe nur halblaut „Schnüss“gesagt,
da hörten sie auf zu schreien.

Robert Gernhardt


--------


Die Nacht


Verlassen stieg die Nacht an Land,
der Tag war ihr davongerannt.
Durchs Dunkel tönte ihr Geschrei,
wo denn der liebe Tag wohl sei.

Indessen saß der Tag bei mir,
bei weißem Brot und hellem Bier
hat er die Suchende verlacht:
die säh doch nichts, es sei ja Nacht.

Robert Gernhardt







Spieltag 13





Demagogen-Spezial

Teil 3

cartoon


Sie Kommen !


Spürst du die Veränderung?
Weißt du was da vor sich geht?
Von weit her ein dumpfer Ton
Und der Wind hat sich gedreht
Langsam kündigt es sich an:
Sie kommen!

Gestern war noch alles gut
Wind ging leise übers Gras
Und im weichen Abendlicht
Leerten wir ein gutes Glas
Heute sieht es anders aus:
Sie kommen!

Siehst du sie am Horizont?
Spürst du wie der Boden bebt?
Hörst du wie es lauter wird:
Sie kommen!

Geh ins Haus, schließ' deine Tür!
Halt dich fest, bald sind sie hier!

Ja, sie kommen in dein Haus
Und sie fassen alles an
All dein Hab und Gut wird dir
Genommen

Stürzen sich auf deinen Tisch
Fressen deinen Teller leer
Rekeln sich auf deinem Bett:
Du kannst nicht
entkommen

Wenn du überleben willst
Musst du eine Mauer bauen
Gitterstäbe, Stacheldraht
Kameras, Elektrozaun
Nichts wird mehr wie früher sein:
Sie kommen!

Tätowiert am ganzen Leib
Vorne Glatze, hinten Zopf
Sonnenbrille, Joint im Maul
Verkommen!

Geh ins Haus, schließ' deine Tür!
Halt dich fest, bald sind sie hier!

Text und Musik
Knorkator






Spieltag 12



Demagogen-Spezial

Teil 2

Ich will Kalif werden, anstelle des Kalifen





Aus Dichters Klage

Schwer ist's heute, ein Gedicht zu machen,
Darum läßt man es am besten sein;
Wenn die Menschen wirklich drüber lachen,
Sperrt man den Verfasser meistens ein;
Wenn sie sich jedoch in Tränen winden,
Dann verhungert schließlich der Poet,
Deshalb wird man es begreiflich finden,
Daß die Poesie zugrunde geht.


Niemand weiß die Freiheit so zu schätzen
Wie der Dichter oder Redakteur;
Wenn sie ihn in das Gefängnis setzen,
Schreibt er manchmal überhaupt nichts mehr.
Statt in die Geschichte der Kalifen
Oder in die Dame, die er liebt,
Seine schöne Seele zu vertiefen,
Fängt er Fliegen, wenn es welche gibt.

Ließe sich die Allmacht doch erweichen,
Die den Menschen mit dem Fluch bedacht,
Daß er immer über seinesgleichen
Witze, Dramen und Novellen macht!
Zählt die Zuchthaus-Jahre man zusammen,
Die von lyrischen Gedichten her
Und von ähnlichen Verbrechen stammen,
Ein Jahrtausend gibt es ungefähr!
...

Frank Wedekind
[24.7. 1884 – 9.3 1918]






Spieltag 11



Demagogen-Spezial


Teil 1



Sie sind auf dem Vormarsch und feiern Erfolge – weltweit - starke Männer und
Frauen mit einfachen Lösungen. Sie kriechen aus allen Löchern : die Trumps,
Erdogans, Wilders, Le Pens, Szydłos, Orbans, Petrys, Gaulands, v. Storchs..... !
Ressentiments und offene Hetze sind wieder salonfähig. Minderheiten werden
massiv mit sozialer Ächtung, Berufsverboten, Gefängnis oder dem Tod bedroht.
Gesellschaftliche Freizügigkeiten und individuelle Rechte massiv beschnitten.
Menschenrechte, Pressefreiheit, Unabhängigkeit von Recht und Justiz
eingeschränkt.
Was kotzt sie mich an, diese gefährliche Mischung aus,
Rassismus, Revanchismus, und Rechtspopulismus.

Und wie gerne würde ich dieser Entwicklung weiterhin mit
Verachtung und Spott begegnen:



Einfache Botschaften von höchster Stelle?
Können wir auch !



Die kaiserliche Botschaft

Ein Nonzenzgedicht

So hört mich an, o meine Knappen:
Ab jetzt sind alle Schimmel Rappen.
Und alle Rappen heißen Bären,
womit wir schon beim Thema wären.
Denn Bären ist ab heut verboten
bei Tag zu mähen und zu schroten,
sowie das Schroten und das Mähen
bei Nacht, weil sie dann eh nichts sehen.
Befehl ist auch, daß sie ab nun
nicht das, was ich befehle tun,
denn die Befehle gelten nur
von kurz vor zwölf bis tausend Uhr
und sollen zu nichts weiter führen,
als an den Schlaf der Welt zu rühren.
Doch sollte dieser Plan nicht klappen,
sind alle Bären wieder Rappen
und alle Rappen wieder Schimmel,
das gilt auf Erden wie im Himmel,
im Jenseits und in dieser Welt
und ganz speziell für Bielefeld.
So. Stellt das Radio etwas leiser,
ich will jetzt schlafen
Euer Kaiser


Robert Gernhardt


...aber ich befürchte , das wird nicht mehr reichen. Wir werden lauter werden müssen !!!

Die Red.





Spieltag 10




3.November


Hubertustag





….Hier wächst zusammen, was nicht zusammen gehört..hier wächst zusammen was nicht zusammen....




1. November


Weltvegantag





Robert Gernhardt



Jagdsignal : Halali






Spieltag 9



Zum Tod von Manfred Krug



Der Junge Manfred Krug in einer
seiner beste Rollen. Brigadeleiter
Hannes Balla in „ Spur der Steine „.
Großes Kino !
[Mo. 31.10. 22.00 Uhr SWR]


- - - - - - - -


Abschied


Ich könnte mir vorstelln,
mich so zu empfehlen:

Die Zeit. Ich will sie euch
nicht länger stehlen.

Den Raum. Ich will ihn euch
nicht länger rauben.

Den Stuß. Ich will ihn euch
nicht länger glauben.

Das Ohr. Ich will es euch
nicht länger leihen.

Das Aug. Ich will es euch
nicht länger weihen.

Das Hirn. Ich will es euch
nicht länger mieten.

Die Stirn. Ich will sie euch
nicht länger bieten.

Das Herz. Ich will es euch
nicht länger borgen.

Den Rest? Den müsst ihr
schon selbst entsorgen.


Robert Gernhardt






Spieltag 8



Alltag in der Kulturredaktion

cartoon

Welt, Raum und Zeit



In den Köpfen der betagten Katzen
spiegelt sich die Welt in starken Bildern:

Mäusetürme ragen steil ins Blaue,
Nierentische stehn in ihren Hallen,
Leberhaken ragen aus den Wänden,
all das wartet nur auf ihre Tatzen
in den Köpfen der betagten Katzen.

In den hochbetagten Katzenköpfen
gliedert sich der Raum in klare Zonen:

Fauladelphia, Ratzibor und Essen
sind die einz´gen Städte, die sie kennen,
doch Paris liegt für sie an der Sahne,
und die malt sich breit, nicht auszuschöpfen
in den hochbetagten Katzenköpfen.

In den Köpfen der betagten Katzen
fächert sich die Zeit in reine Takte:

heißt der erste Tag der Woche Mordtag,
fällt der Sommeranfang in den Jauli,
schreiben wir schon bald das Jahr Zweimausend,
und die Stunden fliehn dahin wie Spatzen
in den Köpfen der betagten Katzen.

Robert Gernhardt







Spieltag 7




Musiker, Poet und jetzt endlich
Literaturnobelpreisträger


Ralf Siegel


Ralf Siegel

Kritischer Geist...tief verwurzelt in der
deutschen Protestbewegung...
Lieder wie Mysterienspiele...
Texte in der Tradition von
Goethe und Schiller...


Soweit nur einige Auszüge aus der Begründung
der Nobelpreis Jury.
Die schwedische Akademie
und die Kulturredaktion
ehren einen ganz Großen !!

Aus diesem Anlaß nocheinmal eines seiner großen Werke !!!

Der unbekannte Soldat


Gebt ihm jeden Namen
hier liegt nur ein Soldat
und keiner weiß etwas von ihm
Er war vielleicht ein Deutscher
ein Spanier aus Madrid
er kam vielleicht aus London oder Wien
Er war vielleicht Franzose
ein Mann aus der Türkei
ein Sergeant der einst aus den Staaten kam

Für die Gräser, für das Laub
für die Steine, und den Staub
kommt es darauf überhaupt nicht mehr an !


Er war uns vielleicht feindlich
vielleicht ein guter Freund
er war vielleicht ein Jude oder Christ
vielleicht war er ein Moslem, vielleicht ein Methodist
er war vielleicht ein indischer Buddhist
Er kämpfte für die Freiheit
vielleicht auch nur um Geld
er hatte für die Zukunft seinen Plan


Für die Gräser, für das Laub
für die Steine, und den Staub
kommt es darauf überhaupt nicht mehr an !


Er war vielleicht Minister, vielleicht nur Untertan
vielleicht war er grad´ das was du heut´bist
Er war vielleicht ein Deutscher
ein Spanier aus Madrid
er kam vielleicht aus London oder Wien
er hatte vielleicht Kinder
die längst erwachsen sind
er war für eine Frau der einzige Mann

doch..

Für die Gräser, für das Laub
für die Steine, und den Staub
kommt es darauf überhaupt nicht mehr an !


Für die Gräser, für das Laub
für die Steine, und den Staub
kommt es darauf überhaupt nicht mehr an !!

City Street Preachers
Text: Ralf Siegel
Gesang : M. Kunze


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In einem schmalen, unscheinbaren
Büchlein steht oftmals weniger drin als
in so manch einem dickleibigen Roman.

Robert Gernhardt





Spieltag 6




Liga – Lyrik
von A – Z

[ K wie Klabund ]




Bauz


Bauz schwingt zierlich den Zylinder,
Bauz entstellt sich hiermit vor.
Bauz hat 45 Kinder
Und nen Bruch im Wasserrohr.

Bauz ist ohne alle Frage,
Bauz ist geradezu direkt,
Bauz macht jede Nacht zum Tage,
Bauz hat einen Schlauchdefekt.

Bauz ist jeder Krone Gipfel,
Bauz ist jedes Ärmels Loch,
Bauz ist auf dem I das Tipfel,
Bauz kroch, wo noch keiner kroch.

Bauz ist wiederum hingegen,
Bauz ist zwecks zu dem behuf,
Bauz ist andernteils deswegen,
Bauz ist ohne Widerruf!





Robert Gernhardt






Spieltag 5





National One-Hit
Wonder Day

25. September:

61. Geb. K.H.
Rummenigge




Over in West Germany
There's a football player
With sexy knees.
With sexy knees?
With sexy knees!
Talking 'bout a man with sexy knees

Karl-Heinz Rummenigge

What a man.
Rummenigge Rummenigge
I'm a fan.
Karl-Heinz Rummenigge
He's so strong.

Rummenigge. Rummenigge
All night long.
Rummenigge Rummenigge
All night long.

He's so tall
He's so blond
Two long legs
But all beyond.

Karl-Heinz Rummenigge .
First he traps the ball -
And then?

Karl-Heinnz Rummenigge
Puts it in
Puts it in
Puts it in
Karl-Heinz Rummenigge puts it in.

What a player
what a sport.
He's the cutest thing in shorts.
What's the secret
what's the trick?
He's got such a lovely kick!

Oh
what a lovely
lovely kick
Oh
what a lovely
lovely kick
Oh
what a lovely
lovely kick

Karl-Heinz Rummenigge . . .





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26. September

Europäischer Tag der Sprachen

Was die Sprache verrät


Vier Silben – hämmernd, unmenschlich, kalt:
Großstadtasphalt

Drei schwebende, lebende Silben nur:
Waldesflur

Zwei Silben – forschend, bedeutungsvoll, froh:
Hallo

Einsilbig, hochfahrend, jählings und knapp:
Schrapp

Robert Gernhardt



>


Spieltag 4



21. September
Internationaler Friedenstag


Tagesbefehl


Leute, bitte geht nach Haus,
hier bricht um zwölf der Friede aus,
dann wird nicht mehr geschossen.
Dann hat es sich mit dem Bummbumm,
wer tot ist falle sofort um,
der Krieg wird gleich geschlossen.



Leute, bitte gebt jetzt Ruh.
Ich mach schon mal den Krieg hier zu,
man kann nicht immer meucheln.
Nein, Bäcker, jetzt wird Brot gemacht,
jetzt wird kein Feind mehr totgemacht,
jetzt heißt es Freundschaft heucheln.

Leute, bitte macht jetzt Schluß,
der nächste ist der letzte Schuß.
Nun seid nicht gleich beleidigt.
Hört auf, sonst gibt’s eine vor den Bug,
ihr habt hier wirklich lang genug
das Abendland verteidigt.

Robert Gernhardt







Spieltag 3









September

Auf Schwalb und Eichhorn merke bald,
wenn sie verschwunden, wird’s bald kalt.





Septemberliches Lied vom Storch


Die Sonne brennt noch über´m Luch,
vom Grummet weht der Grasgeruch,
die Beere kocht im Brombeerschlag
und noch lang steht die Sonn`im Tag

Er aber glaubt nicht mehr ans Jahr,
der auf dem First zu Hause war.
Nach Süden schwang sein Flügelschlag,
steht lang auch noch die Sonn´ im Tag.

Die Frösche quarren doppelt hell,
die Maus zeigt unbesorgt ihr Fell.
Der ihnen auf der Lauer lag,
er schwang sich fort vor Tau und Tag.

obgleich noch wie im Sommerwind
die Spinne ihre Fäden spinnt,
die Mücke tanzt im Weidenhag
und lang noch steht die Sonn´im Tag.

Günter Eich

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Pünktlich zum Altweibersommer!




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Ein Septembernachmittag in der Heide



Immer wieder zieht der alte
Schäfer an der Weidenflöte
Immer wieder

Immer wieder hofft er sehnlichst
endlich einen Ton zu hören
Immer wieder

Immer wieder sagt sein Weib ihm
blasen müsse er, nicht ziehen
Immer wieder

Immer wieder winkt der Alte
kreischend ab und zieht auf´s neue
Immer wieder


Robert Gernhardt


Musik : Walter Huston – september song [Kurt Weill]






Spieltag 2



Am 30. Juni 2016 jährte sich zum 10. Mal der Todestag
von Robert Gernhardt . Dies möchte die Kulturredaktion
zum Anlaß nehmen, zu jedem Spieltag, bis zum Ende
der Hinrunde, ein Lieblingsgedicht vom Lieblingslyriker
zu bringen. Wiederholungen sind hier ausdrücklich erwünscht.
Dies wird an verschiedenen Stellen, ergänzend oder
als Bonus zu finden sein. Solltet ihr ein
Lieblingsgernhardt haben, schickt ihn an die Kulturredaktion,
wir veröffentlichen gerne auch eure Favoriten. Und für alle die
mit R. Gernhardt nichts anzufangen wissen,
ein Kommentar vom Meister selbst:


„Die Große Menge wird mich nie begreifen,
die Pfeifen.“



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Vom Fuchs und der Gans



Ich hab den Tonfall noch im Ohr
mit dem der Fuchs die Gans beschwor,
ihm zuzuhören.

Er sprach sehr leise und sehr kühl,
als ängstige ihn das Gefühl,
sie zu verstören.

Er sagte sinngemäß, sein Schwanz
sei jener Teil, an dem er ganz
besonders hänge.

Das heißt, im Grunde hinge er,
der Schwanz, an ihm, ein Umstand, der
ihn nun bedränge.

Denn jemand stände auf dem Schwanz,
und darum frage er die Gans,
ob sie drauf stehe.

Ihm sei so. Und sie sei recht schwer;
weshalb er für den Vorschlag wär,
dass sie bald gehe.

Die Gans hielt stumm den Kopf gesenkt.
Sie wurde durch was abgelenkt,
das essbar schien und rot war.

Sie biss wie träumerisch hinein
und wollte noch »Äh! Haare!« schrein
und schwieg, da sie schon tot war.

Robert Gernhardt








Spieltag 1








Freundinnen und Freunde des Rasensports, die Regeneration in der Sommerpause war kurz, die Turbulenzen auf dem Transfermarkt heftig.
Ich hoffe ihr startet gut in die neue Saison. Die Erwartungen sind wie immer turmhoch !

Aber nie vergessen.......

Fußball ist das befreiende Heraustreten
aus dem versklavten Ernst des Alltags

Benedikt XVI

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Zu guter Letzt:
Entgegen der Verlautbarung des Exekutivkommitees
der Tippfunktionäre
zum Abschluß der diesjährigen Sommerkonferenz in der Toskana,
entfällt zum Bundesligastart, der angekündigte Beitrag zum
Tod von „ Kot und Köter “.
Es gibt in diesem Zusammenhang aktuelle, hoffnungsfrohe Neuigkeiten.
Wir werden an geeigneter Stelle davon berichten.

Die Red.

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Illustration: Jedem Anpfiff wohnt ein Zauber inne – Kunstandstifter Verlag